Bevor du einen Onlineshop baust, klär die Voraussetzung
Wir haben in den letzten Jahren mehrere Schweizer Betriebe begleitet, die einen Onlineshop wollten und ihn hinterher wieder abgeschaltet haben. Nicht weil die Software das falsche Werkzeug war, sondern weil im Betrieb niemand geplant war, der die eingehenden Bestellungen abfertigt, die Lagerbewegungen führt und die Kundenanfragen beantwortet. Ein Onlineshop erzeugt Arbeit. Wer diese Arbeit nicht plant, kauft sich eine zweite Baustelle.
Bevor wir bei Helda über Systeme, Preise und Zahlungsmittel sprechen, gehören deshalb drei Fragen an den Anfang. Wer verpackt und versendet. Wer beantwortet Kundenfragen am gleichen Werktag. Wer pflegt Produkte und Preise. Wenn du auf diese drei Fragen keine klare Antwort hast, entsteht der grösste Aufwand nicht in der Einrichtung, sondern im Betrieb.
Der Rest dieses Beitrags nimmt an, dass die drei Fragen beantwortet sind. Dann lohnt sich der Blick auf die vier Kostenblöcke, auf TWINT, auf die rechtlichen Pflichten und auf die Frage, ob du selbst baust oder bauen lässt.
Die vier Kostenblöcke, ehrlich gerechnet
Wir rechnen bei Helda jeden Onlineshop in vier Blöcken. Wer nur den Projektpreis vergleicht, unterschätzt die laufenden Kosten. Wer nur die Plattform vergleicht, unterschätzt die Einrichtung.
Block eins, einmalige Einrichtung. Für einen Betrieb mit fünf bis fünfzig Mitarbeitenden liegt die Einrichtung eines Shopify-Shops mit einem gut vorbereiteten Sortiment, Standard-Theme und Standard-Rechtsvorlagen bei uns typischerweise zwischen mittleren vier- und niedrigen fünfstelligen Beträgen. Was den Preis nach oben treibt, ist selten das Design, sondern die Verbindung zu bestehenden Systemen: Warenwirtschaft, Buchhaltung, ERP, Versanddienstleister. Wer im Standard startet und die Verbindungen später sauber ergänzt, spart am meisten. Wer alles gleichzeitig will, zahlt dafür.
Block zwei, laufende Plattform. Die monatliche Gebühr für Shopify Standard und Advanced steht offen auf der Shopify-Preisseite. Dazu kommen Transaktionsgebühren des jeweiligen Zahlungsdienstleisters. Wenn Shopify Payments genutzt wird, entfällt die zusätzliche Transaktionsgebühr an Shopify. Wenn ein anderer Dienstleister genutzt wird, kommt sie oben drauf. Für andere Systeme wie WooCommerce oder Shopware entstehen Hosting, Wartung und Plugin-Lizenzen als Ersatz für die monatliche Plattformgebühr.
Block drei, Betrieb und Wartung. Ein produktiver Shop braucht regelmässige Pflege. Software-Updates, Sicherheits-Patches, Anpassungen an neue Zahlungs- und Steueranforderungen, Bild- und Textpflege bei neuen Produkten. Für einen Betrieb mit fünf bis fünfzig Mitarbeitenden rechnen wir mit einem monatlichen Pflegebudget im niedrigen dreistelligen Bereich, wenn der Shop stabil läuft, und mit mehr, wenn regelmässig neue Produkte, Aktionen oder Kanäle hinzukommen.
Block vier, Sichtbarkeit und Neukundengewinnung. Ein Shop ohne Sichtbarkeit ist ein leeres Schaufenster in einer Nebenstrasse. Für die Sichtbarkeit gehören Werbebudget, SEO und Content dazu. Wir raten davon ab, Werbung im ersten Jahr wegzukalkulieren. Die realistischen Grössenordnungen besprechen wir individuell in der Standortbestimmung, weil sie stark von Branche, Sortiment und Region abhängen.
Die Konsequenz ist unspektakulär und trotzdem wichtig. Frag nie nach dem Projektpreis. Frag nach den Gesamtkosten im ersten Jahr.
TWINT und die Frage nach den Schweizer Zahlungsmitteln
Wer in der Schweiz online verkauft, kommt an TWINT nicht vorbei. Bei Shopify ist TWINT seit Sommer 2025 direkt in Shopify Payments integriert, siehe TWINT-Übersicht der Zahlungsmittel. Bei anderen Systemen erfolgt die Anbindung über einen Zahlungsdienstleister, der TWINT, Kreditkarte und weitere Verfahren zusammenführt.
Was ein Betrieb daraus ableiten sollte, ist nicht die Plattformdiskussion an sich, sondern die Klarheit über den Zahlungsmix. In der Praxis bewährt sich bei einem Schweizer KMU eine Kombination aus TWINT für den lokalen Endkunden, Kreditkarte für den internationalen Endkunden und Rechnung für ausgewählte Fälle, wenn ein Kreditrisiko akzeptabel ist. Ohne TWINT bricht ein Teil der Bestellungen im Kassenschritt ab, auch dann, wenn Karte und Rechnung angeboten sind.
Rechtliche Pflichten in der Schweiz
Ein Onlineshop in der Schweiz braucht mehr als Impressum und Kontaktseite. Wir richten bei Helda in jedem Projekt fünf Punkte konsequent ein.
Erstens eine Datenschutzerklärung nach dem revidierten Datenschutzgesetz, das am 1. September 2023 in Kraft getreten ist. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte publiziert die verbindlichen Anforderungen.
Zweitens ein datenschutzkonformer Umgang mit Cookies und Tracking. Für Betriebe mit Kundschaft in der EU zusätzlich die Anforderungen aus der DSGVO.
Drittens klare AGB mit Widerrufs- oder Rückgaberegelung sowie Impressum.
Viertens die korrekte Ausweisung der Mehrwertsteuer, sichtbar auf Produkt- und Kassenseite. Ausnahmen und Steuersätze finden sich bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung.
Fünftens die Konsistenz zwischen Angaben im Shop und im Google-Unternehmensprofil. Name, Adresse und Telefonnummer sollten überall identisch geschrieben sein, denn schon Abweichungen wie „Strasse" gegen „Str." können in der lokalen Suche Rankings verschlechtern.
Shopify für Schweizer KMU, wann es passt
Wir haben eine Präferenz für Shopify, und wir sagen ehrlich, dass diese Präferenz aus der Praxis kommt. Für einen Schweizer Betrieb mit fünf bis fünfzig Mitarbeitenden reicht Shopify Standard oder Advanced in der Regel aus, wenn der Katalog überschaubar ist, wenige Kundensegmente vorliegen und ein B2B-Einstieg ohne tiefe ERP-Anbindung geplant ist. Für native B2B-Funktionen wie Firmenprofile, Zahlungsbedingungen und kundenspezifische Kataloge kommt Shopify Plus infrage, dessen monatliche Grundgebühr höher und teilweise umsatzabhängig ist.
Alternativen wie WooCommerce, Squarespace, Shopware oder eine Individuallösung sind nicht schlechter. Sie zielen auf andere Konstellationen. WooCommerce lohnt sich für WordPress-nahe Setups, Shopware für DACH-Mittelstand mit tiefer Anpassungserwartung, eine Individuallösung für sehr spezifische Prozesse.
Wichtig ist der Grundsatz. Wir wählen kein System, weil es gerade Mode ist. Wir wählen es, weil es zu deinem Betrieb passt und weil es die nächste Stufe hält.
Anbindung an Bexio und andere Systeme
Ein Onlineshop, der isoliert läuft, erzeugt Doppelspurigkeit. Deshalb ist die Frage nach der Anbindung an dein Warenwirtschafts- oder Buchhaltungssystem meistens wichtiger als die Frage nach dem Design. Für viele Schweizer KMU steht dabei die Anbindung an Bexio im Vordergrund, weil damit Kunden, Bestellungen und Rechnungen zusammenlaufen. Bei grösseren Sortimenten und komplexeren Prozessen kommen ERP- oder PIM-Systeme dazu.
In der Praxis heisst das für uns, dass wir vor der Systemwahl klären, wohin die Bestellungen gehen, wo die Bestände geführt werden, wer den Rechnungslauf verantwortet und wie Retouren rückgeführt werden. Ohne diesen Ablauf am Papier ist jede Systemwahl eine Wette.
Selbst bauen oder bauen lassen
Selbst bauen ist möglich, und für einen sehr kleinen Zuschnitt auch sinnvoll. Ein DIY-Shop mit vorgefertigtem Theme und Standardvorlagen ist im Prinzip in einigen Wochen zu errichten, wenn eine Person im Betrieb die Zeit dafür freischaufeln kann. Diese Zeit ist echte Zeit und fehlt an anderer Stelle. Wer sich in einem Vollzeitbetrieb sechzig Stunden für den Aufbau eines Shops nimmt, hat sechzig Stunden nicht für Kunden.
Bauen lassen ist keine Kür, sondern eine Ressourcenentscheidung. Es lohnt sich dort, wo das Zeitbudget des Inhabers hoch bewertet ist, wo die Systeme mit Bestehendem zusammenspielen müssen und wo im Betrieb noch niemand Erfahrung mit Onlineverkauf hat.
Wir halten es in unserer Arbeit so, dass wir nicht mehr bauen, als heute getragen werden kann, und dass wir so bauen, dass die nächste Stufe darauf aufsetzt. Wer im Kleinen startet und wachsen will, sollte im Kleinen so starten, dass Wachstum nicht bedeutet, alles neu zu machen.
Wie schnell ein Shop steht, ist selten die richtige Frage
Die Frage nach der Umsetzungsdauer klingt nach Planungssicherheit, führt in der Praxis aber oft in die Irre. Ein Shop mit vorgefertigtem Theme, 30 Produkten, zwei Zahlungsmethoden und einer Standard-Rechtsvorlage steht in wenigen Wochen. Ein Shop mit Bexio-Anbindung, Mehrsprachigkeit und Sonderpreisen für ausgewählte Kunden braucht Monate.
Wichtiger als die Dauer ist die Reihenfolge. Zuerst der Aufbau, der heute funktioniert und Anfragen entgegennimmt. Danach die Erweiterungen, die dann tragen, wenn die Nachfrage sie rechtfertigt.
Wo du stehst, wissen wir nach 120 Minuten
Ob ein Onlineshop in deinem Betrieb heute Wirkung entfaltet oder ob wir zuerst deine Sichtbarkeit und deine Prozesse ordnen müssen, entscheidet die Reihenfolge, die dir das Beste bringt. Wir schauen das in der Standortbestimmung an. Wir prüfen deine Zielgruppe, deinen Katalog, deine Prozesse rund um Verpackung, Versand und Kundenpflege sowie deine Systeme im Hintergrund. Du erhältst eine schriftliche Einordnung, was in deinem Fall zuerst gebaut werden sollte und was warten kann. Diese Einordnung gehört dir, unabhängig davon, ob du danach mit uns arbeitest.
Die Standortbestimmung kostet CHF 1'490. Entscheidest du dich anschliessend für ein Mandat, rechnen wir sie vollständig an. Auf eine Anfrage melden wir uns am gleichen Werktag.



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Einstellen oder abgeben, ehrlich gerechnet
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